Wie dich die Annahme all deiner Gefühle zu mehr Lebendigkeit führen kann.
Stell dir vor, alle deine Gefühle wären Farben – welche würdest du heute auf deiner Leinwand sehen?
Wenn du für jeden Tag deines Lebens eine solche Leinwand malen würdest: Welche Farben wären häufiger, welche seltener oder vielleicht gar nicht zu sehen?
Im Laufe unseres Lebens lernen wir, dass nicht alle Gefühle gleichermaßen erwünscht sind. Kinder erkennen sehr schnell anhand der Reaktionen ihrer Eltern und ihres Umfeldes, welche Gefühle willkommen sind und welche nicht. Dabei suchen und brauchen Kinder die Aufmerksamkeit ihres Umfeldes ebenso zum Überleben wie Nahrung und Schutz. Aufgrund dieser Abhängigkeit sind sie bereit, Gefühle zu unterdrücken, für die sie keine Aufmerksamkeit bekommen haben.
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Welche Gefühle waren in deiner Familie willkommen? Welche Gefühle musstest du hingegen unterdrücken, um Aufmerksamkeit zu erhalten?
Von George Thomson stammt die nachfolgende Übersicht (siehe Grafik). Die dort aufgeführten Gefühle werden als die vier Grundgefühle bezeichnet. Jedes dieser Gefühle hat eine Funktion. Begegnen unsere Mitmenschen uns mit der beschriebenen hilfreichen Resonanz, führt dies zur Entlastung, setzt Energie frei und stiftet Nähe.
Wurde deine Wut ernst genommen? Wurde deiner Angst mit Schutz begegnet? Konntest du deine Freude wie auch deine Traurigkeit teilen – und wurde ihnen mit Mitgefühl begegnet?
In den meisten Familien wurde mindestens einem dieser Grundgefühle so begegnet, dass wir lernten, es zu unterdrücken. Meiner kindlichen Wut begegnete man zum Beispiel mit dem Satz: „Geh auf dein Zimmer und komm wieder, wenn du dich beruhigt hast.“
Wie wurde auf deine Wut, deine Angst oder Traurigkeit reagiert?
Wenn wir die oben beschriebene hilfreiche Resonanz nicht erfahren haben, kann es passieren, dass wir lernen, das ursprüngliche Gefühl zu unterdrücken und stattdessen ein sogenanntes Ersatzgefühl entwickeln. Mit diesem Ersatzgefühl bekommen wir zwar die Aufmerksamkeit, die uns beim Ausdruck des Grundgefühls verwehrt wurde, doch es führt nicht zur Entlastung und setzt auch nicht die nötige Energie frei.
„Selbstverurteilung ist, wie jede Verurteilung, tragischer Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse.“ Marshall B. Rosenberg
Während ich mit meiner Wut alleine in meinem Zimmer saß und versuchte, mich selbst zu beruhigen, entwickelte ich als Ersatzgefühl „Schuldgefühle“. Etwas in mir schloss aus der Reaktion meiner Eltern, dass ich etwas falsch gemacht haben müsse und mich entschuldigen sollte, um wieder dazugehören zu dürfen. Diese frühe Erfahrung in meiner Familie – und auch die Überforderung meines Umfeldes in anderen Situationen – führte dazu, dass ich Wut überhaupt nicht mehr spürte. Anstatt wütend zu werden, fühlte ich mich schuldig und fragte mich sofort, was ich falsch gemacht hatte. Dank eines guten Freundes, der mir eines Tages spiegelte, wie wütend ihn ein von mir geschildertes Verhalten machte, wurde mir klar, dass mein Zugang zur Wut eingeschränkt war.
Neben der fehlenden Entlastung und Freisetzung von Energie lösen Ersatzgefühle beim Gegenüber häufig den Eindruck aus, man drehe sich im Kreis – so, als hätte die Schallplatte einen Sprung.
Wir alle tragen eine innere Farbpalette in uns. Gefühle sind wie Farbtöne – jede Nuance hat ihre Bedeutung und ihren Wert. Wir brauchen alle Farben in unserer Gefühlspalette. Gefühle sind nicht positiv oder negativ, auch wenn sich manche angenehmer anfühlen als andere. Gefühle sind Lebensenergie. Wir brauchen das gesamte Spektrum, um uns lebendig zu fühlen. Der Film “Alles steht Kopf” zeigt das sehr schön. Selbst wenn wir glauben, dass Traurigkeit uns überwältigt oder Wut uns innerlich verbrennt – genau diese Gefühle sind notwendig, um in Beziehungen Lebendigkeit und Verbindung zu schaffen.
Seit der Spiegelung durch meinen Freund habe ich mich intensiv mit meinen Gefühlen, speziell mit meiner Wut, auseinandergesetzt und bin froh, die Leiter der emotionalen Bewusstheit ein Stück weiter nach oben gestiegen zu sein. Doch das Gummiband dieser alten Erfahrungen wirkt bis heute. Wenn ich nicht achtsam bin, passiert es mir immer noch, dass ich anstatt meine Wut zu spüren, Schuldgefühle entwickle und überlege, was ich falsch gemacht habe. Zum Glück meldet sich der „Wächter meiner Wut“ inzwischen zuverlässig. So kann ich meine Wut ernst nehmen, sie fühlen und ihr authentisch Ausdruck verleihen.
So auch in dem Beispiel, an dem ich dich teilhaben lassen möchte:
Ich war mit einer Freundin verabredet, die sich in einer Krise befand. Mehrfach hatte sie kurzfristig abgesagt, und ich hatte jedes Mal Verständnis. Doch als sie erneut absagte, spürte ich meine Wut, denn meine Grenze war erreicht.
Früher hätte ich meine Wut für mich behalten und mich erst gemeldet, wenn ich sie innerlich sortiert oder reguliert hätte. Diesmal habe ich anders gehandelt. Neben Wut spürte ich auch Traurigkeit, denn ich hatte mich wirklich auf den Abend mit ihr gefreut. So ließ ich meine Freundin in einer Sprachnachricht an meiner Wut und Traurigkeit teilhaben. Anders als befürchtet reagierte sie nicht mit Abwehr, sondern mit Verständnis. Sie war dankbar für meine Rückmeldung und empfand meine Nachricht als Zeichen meiner Wertschätzung für unsere Verbindung. Das Teilen meiner Traurigkeit und das Ernstnehmen meiner Wut führten zu Erleichterung, setzten Energie frei und stifteten Nähe zwischen uns.
Wie sehr uns echte Resonanz verbindet, bringt dieses Zitat wunderschön auf den Punkt:
„Ich glaube daran, dass das größte Geschenk, das ich von jemandem empfangen kann, ist, gesehen, gehört, verstanden und berührt zu werden. Das größte Geschenk, das ich geben kann, ist den anderen zu sehen, zu hören, zu verstehen und zu berühren. Wenn dies geschieht, entsteht Kontakt.“ Virginia Satir
Was du tun kannst
Wenn du mehr über deine Gefühlsbiografie erfahren und lernen möchtest, all deine Gefühle willkommen zu heißen, dann komm zu mir ins Coaching oder nimm am Online-Einführungstraining in die Gewaltfreie Kommunikation teil.
Es findet am 22. Oktober 2025, 18:00 bis 20:30 Uhr, statt und steht unter dem Motto: „Verbinde dich mit dir selbst – Wertschätzende Kommunikation beginnt in dir.“ Denn wertschätzende Kommunikation zeigt sich nicht nur im Gespräch mit anderen, sondern vor allem in der Beziehung zu dir selbst.
Die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) bietet einen wunderbaren Rahmen, um Gefühle in ihrer Vielfalt wahrzunehmen. Sie zeigt uns, dass jedes Gefühl Botschafter unserer Bedürfnisse ist – erfüllt oder unerfüllt. Das ist der Schlüssel: Empathie für uns selbst aufzubringen, zu verstehen, was in uns los ist, und daraus zu erkennen, was wir brauchen. Gleichzeitig hilft die GFK, Empathie für andere zu entwickeln und besser nachzuvollziehen, warum jemand so handelt, fühlt oder reagiert.
Seit über zehn Jahren begeistert mich diese Haltung. Mit Liebe verwebe ich Methoden und Ansätze zu einem farbenfrohen Teppich, den ich dir – und allen, die sich angesprochen fühlen – gerne zur Verfügung stelle.
Buche dir hier direkt ein kostenfreies Kennenlern-Coaching.
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