Doch wenn wir genauer hinschauen, wird deutlich:
Gefühle sind nicht einfach „nur da“.
Sie haben einen Sinn.
Welchen genau, lässt sich nicht pauschal sagen.
Aber ich bin davon überzeugt, dass jedes Gefühl uns etwas zeigen will.
Eine Erfahrung aus der letzten Zeit hat mir das noch einmal sehr deutlich gemacht.
Ich bin seit vielen Jahren in Fortbildungen – mit einem kleinen Augenzwinkern könnte ich sagen: eigentlich immer.
Ich liebe es zu lernen. Und doch gibt es immer wieder Momente, in denen ich mich frage: Warum tue ich mir das eigentlich an?
So auch in meiner aktuellen Fortbildung.
In einer dieser Phasen habe ich einer Freundin davon erzählt – von der Intensität, der Anstrengung, den vielen Prozessen.
Und ihre Reaktion hat mich überrascht.
Sie erzählte mir von ihrer eigenen Fortbildung – und dass sie beim Zuhören gemerkt hat, dass sie neidisch ist.
Neidisch auf die Tiefe, die ich erlebe. Auf die Rückmeldungen. Auf die Intensität des Prozesses.
Gleichzeitig war sie unsicher, ob sie mir das überhaupt so sagen darf.
Ob ich es vielleicht falsch verstehen könnte.
Und während sie das aussprach, passierte etwas in mir:
Ich wurde dankbar.
Denn bis zu diesem Moment hatte ich vor allem die Belastung gesehen.
Die Anstrengung, die Dichte, das Gefühl, manchmal an meine Grenzen zu kommen.
Durch ihren Neid wurde mir plötzlich bewusst, was für ein Geschenk genau darin liegt.
Ich begann, auch die herausfordernden Momente anders zu sehen.
Als Teil von etwas, das mir wirklich wichtig ist.
Und seit diesem Moment erlebe ich diese Phasen anders:
Nicht entweder anstrengend oder wertvoll – sondern beides gleichzeitig.
Ich kann die Anstrengung spüren – und zugleich dankbar sein für das, was sie mir ermöglicht.
Ein echtes „sowohl als auch“.
Denn genau deshalb hatte ich mich für diesen Weg entschieden:
Weil ich in meiner Rolle als Coach und Trainerin Verantwortung trage.
Und weil ich dieser Verantwortung nur gerecht werden kann, wenn ich nicht nur Wissen sammle, sondern auch durch meine eigenen Prozesse gehe.
Und gleichzeitig ist mir in diesem Moment etwas begegnet, das ich eigentlich schon lange weiß – und doch immer wieder neu verstehe:
Gefühle sind Wegweiser.
Nicht als einmalige Erkenntnis.
Sondern als etwas, das sich immer wieder neu zeigt – und neu verstanden werden will.
Sie zeigen uns, was uns wichtig ist.
Wo wir hinwollen.
Was uns vielleicht noch fehlt – oder was wir uns mehr in unserem Leben wünschen.
Und gleichzeitig kenne ich dieses Gefühl auch aus meinem eigenen Erleben – nicht nur von früher, sondern immer wieder in unterschiedlichen Momenten.
Ein Beispiel, das mir rückblickend sehr präsent ist, stammt aus meiner Jugend.
In meiner Jugend war ich neidisch auf jene, denen in der Schule vieles scheinbar mühelos zufiel, während ich mich oft sehr anstrengen musste – und die Messlatte dennoch nicht erreichte.
Ich habe schon immer gerne gelernt. Mein Zugang war jedoch eher praktisch als theoretisch – und passte damit oft nicht zu dem, was im Schulsystem gefragt war.
Dieser Neid zeigte sich leise: als innere Unruhe, als Gedankenkreise.
Heute glaube ich: Genau darin lag schon ein Hinweis – nicht darauf, dass mit mir etwas „nicht stimmt“, sondern darauf, unter welchen Bedingungen ich wirklich gut lernen kann.
Ich erinnere mich daran, dass meine Mutter mir früher, wenn ich andere beneidete, eine Frage stellte:
„Wärst du bereit, mit dieser Person komplett zu tauschen?“
Die Antwort war immer: nein.
Und sie ist es bis heute geblieben.
Es gibt kein Leben, das ich in seiner Gesamtheit eintauschen wollen würde.
Aber es gibt immer wieder Aspekte, die mir etwas zeigen.
Und genau darin liegt für mich die eigentliche Qualität von Gefühlen:
Sie sind keine Störung.
Sie sind Hinweise.
Vielleicht zeigt uns Neid nicht, was uns fehlt –
sondern was uns wichtig ist.
Vielleicht magst du dir einen Moment Zeit nehmen und dich fragen:
- Wann habe ich zuletzt Neid gespürt – und wie hat er sich bei mir gezeigt?
- Was könnte dieses Gefühl mir sagen wollen?
- Wonach sehne ich mich in diesem Moment wirklich?
Und vielleicht noch eine Frage:
Hast du deinen Neid schon einmal ausgesprochen?
Oder gehört er zu den Gefühlen, die eher im Verborgenen bleiben – vielleicht auch aus Scham?
Vielleicht magst du einen Moment innehalten und dich fragen:
Wo in meinem Leben zeigt sich gerade ein Gefühl, das ich bisher eher weggeschoben habe?
Ich freue mich, wenn du deine Gedanken oder Erfahrungen dazu mit mir teilst –
oder wir uns im Rahmen eines Gruppentrainings zur Gewaltfreien Kommunikation oder im Einzelcoaching begegnen.
Wenn du magst, kannst du hier direkt einen Termin für ein kostenfreies Kennenlern-Coaching vereinbaren.
Bildquelle: KI-generiertes Bild (erstellt mit Unterstützung von ChatGPT / OpenAI)