Wählen Sie Ihre Worte bewusst!

Wie Sie durch eine bewusstere Wahl Ihrer Worte mehr Freud statt Leid erschaffen und zugleich mehr Lebensfreude erleben können.

Einst wandelte Sokrates durch die Strassen von Athen. Plötzlich kam ein Mann aufgeregt auf ihn zu. „Sokrates, ich muss dir etwas über deinen Freund erzählen, der…“ „Warte einmal, „unterbrach ihn Sokrates. „Bevor du weitererzählst – hast du die Geschichte, die du mir erzählen möchtest, durch die drei Siebe gesiebt?“ „Die drei Siebe? Welche drei Siebe?“ fragte der Mann überrascht. „Lass es uns ausprobieren,“ schlug Sokrates vor. „Das erste Sieb ist das Sieb der Wahrheit. Bist du dir sicher, dass das, was du mir erzählen möchtest, wahr ist?“ „Nein, ich habe gehört, wie es jemand erzählt hat.“ „Aha. Aber dann ist es doch sicher durch das zweite Sieb gegangen, das Sieb des Guten? Ist es etwas Gutes, das du über meinen Freund erzählen möchtest?“ Zögernd antwortete der Mann: „Nein, das nicht. Im Gegenteil….“ „Hm,“ sagte Sokrates, „jetzt bleibt uns nur noch das dritte Sieb. Ist es notwendig, dass du mir erzählst, was dich so aufregt?“ „Nein, nicht wirklich notwendig,“ antwortete der Mann. „Also”, sagte lächelnd der Weise, „wenn es weder wahr noch gut noch notwendig ist, so laß es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit.“ (Ursprung unbekannt)

Jedes Mal wenn ich diese Geschichte lese oder von ihr erzähle, stimmt sie mich nachdenklich. Sie erinnert mich an ein Erlebnis von vor vielen Jahren. Ich sprach mit einer Freundin über eine ihr unbekannte Freundin. Auch wenn es „wahr“ war, was ich erzählte und meine Freundin selbst sehr offen darüber sprach, war es doch weder „gut“ noch „notwendig“ dies weiter zu erzählen. Einige Jahre später, erwähnte ich in einem anderen Zusammenhang meiner Freundin gegenüber wieder den Namen der Freundin, über die ich damals sprach. Meine Freundin sagte darauf hin: „Ach, das ist doch die, die …“. So natürlich wie Ihnen diese Reaktion erscheinen mag, mich hat sie nachhaltig geprägt. Schlagartig wurde mir klar, was ich damals unbewusst angerichtet hatte. Ich hatte meiner Freundin einen Stempel aufgedrückt, der ihr so viele Jahre später noch anhaftete.

Seither erwähne ich nicht mehr den Name der Person, über die ich spreche oder ich stelle, soweit als möglich sicher, dass der Fokus meiner Erzählung auf meinen Gefühlen und nicht erfüllten Bedürfnissen liegt, anstatt über eine Dritte nicht anwesende Person zu schimpfen, herzuziehen oder zu lästern. Trotz aller Vorsicht und Achtsamkeit, die ich seither walten lasse, ist mir bewusst, dass ich damit dennoch das Bild über eine Person mit beeinflusse.

„Das ärgerliche am Ärger ist, dass man sich schadet, ohne anderen zu nützen.“ (Kurt Tucholsky)